Playoffs 2010: Voller Spannung und Überraschung
Erst kürzlich sorgte direkt vor den Playoffs eine Kontroverse zwischen Alba Berlin und der BBL-Spitze für einige mediale Aufregung. In Anbetracht des vorzeitigen Ausscheidens der Hauptrundenersten rückt ein Aspekt wieder in den Mittelpunkt, der für Gesprächsbedarf sorgte. So hieß es vor ein paar Wochen, dass die Liga durch Spannung und Überraschung erfolgreich sein wolle und daher herausragende Teams und Serienmeister wie ALBA Berlin oder Bayer Leverkusen ungern sehe, obwohl die Zeit dieser Serien von Leverkusen und Alba auch schon einige Jahre zurückliegt.
Dieser Wunsch nach Spannung und Überraschung seitens der BBL scheint sich somit bereits diese Saison zu erfüllen. Denn die Halbfinalserie findet ohne die führenden vier Teams statt. Und eine derartige Serie von Favoritenstürzen hat es in der Geschichte der Basketball-Bundesliga noch nie gegeben. Der Bundesligaerste (Oldenburg) hat gegen den Achtplatzierten (Braunschweig) verloren, der Zweite (Berlin) gegen den Siebten (Frankfurt). Zuvor hatten schon die Baskets Bamberg, die direkt vor ihnen rangierenden Baskets Bonn ausgeschaltet. Und der Bundesligadritte BG Göttingen erlebte im fünften Spiel gegen die Eisbären Bremerhaven das gleiche Schicksal.
Eine solche überraschende Wendung ist die „beste Werbung für den Sport“, vermerkt Pommer auf Welt online, der zugleich davon überzeugt ist, dass somit deutlich werde, dass die Clubs spielerisch dicht beieinander stehen.
Welt-Redakteur Dietmar Wenck ist von dieser Entwicklung ebenfalls überzeugt: „In der Tat hat sich das Niveau in der BBL von Jahr zu Jahr gesteigert und die Liga im Vergleich zur internationalen Konkurrenz mächtig aufgeholt.“ Eine weitere Steigerung sei durchaus möglich, weil Länder wie Spanien oder Griechenland wirtschaftlich schwächer sind und Sponsorengelder wegfallen.
Auch Michael Koch, Trainer der Telekom Basktes Bonn sieht im Aufstand der „Kleinen“ eine positive Entwicklung: „Es zeigt, wie ausgeglichen die Liga geworden ist. Durch die Ausländerregelung in der BBL sind die Mannschaften enger zusammengerückt. Man muss nicht unbedingt den größten Etat haben, um vorne mitzuspielen. Durch die Öffnung für amerikanische Spieler hat jeder Club die Chance, wenn er gut scoutet und ein glückliches Händchen hat, Top-Kräfte auch für weniger Geld zu verpflichten.“
Und tatsächlich haben drei der vier Halbfinalisten während der Saison wegweisende Personalentscheidungen trafen: Bamberg verpflichtete nach schwachem Start den slowakischen Spielmacher Anton Gavel, der mittlerweile der Kopf der Mannschaft ist. In Frankfurt übernahm erst kurz vor den Playoffs Trainer Gordon Herbert das Team von Murat Didin. Und die Braunschweiger verpflichteten Ende Januar den routinierten Marcus Goree, der sich sofort zum besten Werfer des Klubs entwickelte. „Insofern sind das nicht mehr die gleichen Teams wie noch in der ersten Saisonhälfte“, sagt Nationalspieler Heiko Schaffartzik.
Inwiefern die Wirtschaftkrise in den Mittelmeerländern die BBL durch eine Schwemme amerikanischer Spieler beeinflussen wird, zeigt sich vielleicht schon nächste Saison. Eventuell gibt es auch dann die eine oder andere Überraschung.
Doch zunächst liegt der Blick auf den vier Halbfinalteams und den kommenden Begegnungen am Mittwoch und Donnerstag.
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